Menü Rechtenbach

Rechtenbach im Spessart

Kultur - Schwerspatabbau im Spessart

"Weißes Gold" hatte für Rechtenbach große Bedeutung
Schwerspatabbau

Schwerspatabbau im Spessart
Glashütten erste Abnehmer
Die alte Grube
Grube "Christiane"
Entstehung des Schwerspates
Der Abbau
Nicht ungefährlich
Verwendung
Bildergalerie

Schwerspatabbau im Spessart

Etwa ein Jahrhundert zählte der Schwerspatbergbau auch in Rechtenbach zu jenen wenigen Industriezweigen, die zum Lebensunterhalt der Menschen beitrugen, als nach dem Niedergang der Glashütte jede nur mögliche Verdienstmöglichkeit ausgeschöpft werden mußte. Neben Holzhauern, Schwellenmachern und Eichenputzern waren es die „Grüber“, die ihr Brot sauer genug verdienen mußten. Die Bergleute hatten den Vorteil - zumindestens in den Blütezeiten des Bergbaues - daß sie Schichtarbeiter waren und deshalb genügend Zeit hatten, die kleine Nebenerwerbslandwirtschaft zu betreiben, wenigstens eine Kuh im Stall hatten und jedes Jahr ein Schwein schlachteten. So mußten sich die Frauen nicht gar zu sehr und allein herumplagen, wie bei den Familien, in denen die Männer auswärts arbeiteten und nur an hohen Feiertagen nach Hause kamen.



 
Zum Seitenanfang          
 

Glashütten erste Abnehmer

Der Schwerspat hat nachweislich schon vor 400 Jahren bei der Glasherstellung im Spessart eine Rolle gespielt. Kostbare Gläser vor allem brauchten die Beimengung des Schwerspates. Allerdings wurde damals das Mineral nicht von einem eigenen Berufszweig gewonnen. An vielen Stellen trat der Spat ja bis „zu Tage“ auf und konnte ohne große Schwierigkeiten in kleineren Mengen geholt werden. Interessant ist es jedenfalls, daß die Glashüttenstandorte im Spessart nahezu alle in der Nähe von Schwerspatvorkommen angelegt wurden. So waren die Glasmacher eigentlich auch die ersten Bergleute. Gewerbsmäßig abgebaut wurde der Schwerspat in Rechtenbach etwa ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Und da auch noch recht primitiv.



 
Zum Seitenanfang          
 

Die alte Grube

Der erste Schacht in Rechtenbach soll sehr unter Wassereinbrüchen gelitten haben. Primitive Handpumpen versuchten dem Problem Herr zu werden. Auf der „Hirschhöh“ wurden die gleichen Spatvorkommen dann um 1910 neu erschlossen. Bei einer Probeteufung auf 25 Meter Tiefe wurden Schwerspatvorkommen von rund drei Meter „Mächtigkeit“ vorgefunden, die durchaus abbauwürdig waren und sogar die Anlage einer eigenen Spatwäscherei rechtfertigten.



 
Zum Seitenanfang          
 

Grube "Christiane"

Schwerspatabbau
Feierabend. Zum Schichtwechsel wird noch eine Fuhre zu Tage gefördert. Otto Lorasch und josef Weigand mit Partensteiner Arbeitskollegen.

Die großen Vorkommen der alten Grube führten dann 1917 zur Erschließung der „neuen Grube“, der „Christiane“, halbwegs zwischen dem Ort und dem „Bischborner Hof“. Ein rund 500 Meter langer Stollen wurde in den Berg getrieben, um an das „weiße Gold“ zu kommen. Man setzte damals auch italienische Kriegsgefangene ein. „Aufgefahren“ wurde die „67-Meter-Stolle“ zunächst in Richtung Osten, also gegen das Dorf zu. Das Vorkommen war sehr stark von „Gebirge“ — Steine und Mangan durchsetzt, so daß man später spinnenförmig in mehrere Richtungen abbaute und vor allem nach oben in die 37-Meter-Stolle und — 1937 - zur 97-Meter-Stolle abteufte. Der Spat wurde zunächst auch hier unter recht primitiven Verhältnissen abgebaut und transportiert. Die Sprengtechnik entwickelte sich langsam. Das Schwarzpulver wurde in Strohhalme gefüllt und mit einem Quarzstein gezündet, der zunächst einen Zunderlappen in Brand setzte. Es war eine schwierige, „stinkige“ Angelegenheit und niemand soll heute sagen, daß das etwa die „gute alte Zeit“ war.
Es war harter Broterwerb, der an den Kräften zehrte. Denn auch der Transport war nicht so einfach wie in späteren Jahren. Es gab den Schubkarren und der war schwer beladen, es war feucht und naß und glitschig und die Karbidlampe war schon ein Fortschritt gegenüber dem primitiven „Geleucht“ mit irgendeinem Stinköl. Später wurde das natürlich besser. Da gab es die Kompressoren, die das Bohren der Sprenglöcher mit Preßluft ermöglichten, es gab sogar moderne Abbau- und Fördermaschinen, es gab eine moderne „Wasserhaltung“ und „über Tage“ den Bunker,in den der Spat aus den Loren gekippt wurde, die, zunächst von Grubenpferden, dann mit Diesellokomotiven gezogen wurden. Rudolf Bregenser hat mit dem Lastzug Tag für Tag das ungewaschene Gut in den Übertage-Betrieb nach Lohr beförderte. Bis 1970 als der Stollen in der Grube „Christiane“ endgültig dicht gemacht wurde. Franz Stenger war es, der den Stollen mit Hohlblock zumauerte.
Ein Stück Rechtenbacher Heimatgeschichte war am Ende und viele Bergleute hatten ihren Beruf verloren. Einige gingen in den Wald, manche zur Firma Rexroth.



 
Zum Seitenanfang          
 

Entstehung des Schwerspates

Der Spessart ist ein relativ junges Gebirge und auch nicht reich an Mineralien. Die Entstehung des Schwerspates ist auf das Zusammenfließen von heißen, Bariumsalze enthaltenden Strömungen zurückzuführen, die in den Spalten des Buntsandsteines erstarrten. Diese Spalten verlaufen stets rechtwinklig zu den Haupttälern, was dem Geologen die Arbeit erleichtert. Im westlichen Spessart findet man den Schwerspat auch im Gneis, der ursprünglich flüssig war. Man spricht nicht von einem Flöz, wie bei der Kohle, sondern von einem Gang. Der Name ist durch das hohespezifische Gewicht von 4,6 bedingt. Schwerspat zeigt sich meist an der Erdoberfläche durch Streuung von kleinen Spatsteinen, die durch Verwitterung des „Ausgehenden“, dem obersten Teil des Ganges, entstanden sind. Hier werden Schürflöcher angebracht, um das „Streichen“ — die Richtung — des Gangesfestzustellen, ebenso wie die „Mächtigkeit“, wie der Bergmann die Breitenausdehnung des Vorkommens nennt.



 
Zum Seitenanfang          
 

Der Abbau

Schwerspatabbau Josef Weigand in der Schwerspatgrube Christiane im Arbeitseinsatz.
Der Abbau des Spates geht von unten nach oben vor sich. Von der waagerecht verlaufenden Sohle werden im Abstand von etwa 150 Meter kleine Schächte zu der darüber liegenden Sohle senkrecht nach oben aufgebrochen. Diese „Überhauen“ genannten Schächte dienen der „Wetterführung“, der Frischluftzirkulierung und zum Einbringen der erforderlichen „Berge“, des für das Auffüllen der durch den Abbau entstandenen Hohlräume benötigten Materials. Zwischen den Überhauen befinden sich „Fahrungen“ mit Sturzrollen, in die das gewonnene Material gekippt wird, das dann in der Förderstrecke in die „Loren“ zum Transport nach über Tage abgezapft wird. Zwischen Überhauen und Fahrung, die der Bergmann zum Aufsteigen benutzt, wird der Spat in einer etwa 2,50 Meter hohen „Strosse“ abgebaut. Die Vorbereitung der notwendigen Sprengung erfolgt mittels Preßluftbohrer. Je nach Mächtigkeit werden drei bis 20 Sprenglöcher angelegt. Die Sprengung erfolgt elektrisch mittels Zündkabel von entsprechender Entfernung aus. Das losgesprengte Haufwerk wird durch die nächstfolgende Schicht in kleine Kippwagen geladen und in die Sturzrollen gekippt. Je nach Beschaffenheit wird die abgebaute Strecke „verbaut“, d.h. mit Grubenholz abgestützt. In der Grube Christiane wurden bei einer Förderung von 2000 Tonnen Schwerspat im Monat rund 40 Festmeter Grubenholz (meist Eichen) benötigt. Ist eine „Scheibenhöhe“ von 2,50 Meter abgebaut, so wiederholt sich der Vorgang etwa 2,50 Meter darüber neu. Der abgebaute Gang wird mit „Gebirge“ zugeschüttet.



 
Zum Seitenanfang          
 

Nicht ungefährlich

Schwerspatabbau Bergarbeiter in geschlossener Formation begeben sich zum Trauerhaus um ihrem toten Agust Madre das letzte Geleit zu geben.
Die Arbeit im Schwerspatbergbau ist nicht ungefährlich. Der Bergmann entwickelt aber im Laufe der Zeit eine gewisse Erfahrung. Er hört, was sich im Berg tut. Gefährlich ist das Hereinbrechen von Nebengestein und der Einbruch aus der „Firste“ — von oben — weil die Schwere des Materials diese Situation immer dann begünstigt, wenn der untere Stoß abgebaut ist. Je mehr der Bergmann sich der Erdoberfläche nähert, desto vorsichtiger muß er arbeiten. Wasser und Lette stören außerdem die Kompaktheit des Spates. Alle Sicherheitsmaßnahmen sind festgelegt und werden vom Bergamt laufend überprüft. Die Temperatur unter Tage ist bei etwa acht Grad Celsius ziemlich gleichmäßig, egal, ob draußen Sommer oder Winter ist. Nässe erfordert stets Gummistiefel.



 
Zum Seitenanfang          
 

Verwendung

Schwerspatabbau (Ästers) Josef Geist belädt in der Grube einen Rollwagen mit Schwerspat.
Die Verwendung des Schwerspates ist ungeheuer vielseitig. Als Beimischung für die Glasherstellung wurde ein für dieses Gebiet wichtiger Verwendungszweck schon genannt. Einen hohen Stellenwert hat er für die chemische, besonders für die Farbenindustrie. Vor allem die Witterungsbeständigkeit und Temperaturunempfindlichkeit machen den Schwerspat zu einem wichtigen Ausgangsstoff für die Farbherstellung. In Lohr wurde er jahrzehntelang für die Herstellung von Belastungsgewichten verwandt. Ein wichtiges Anwendungsgebiet in relativ jüngster Zeit ist der Strahlenschutz, sowohl bei der Abschirmung von Röntgenstrahlen, wie der sogenannten harten Strahlen. In der modernen Industrie ist Schwerspat ein wichtiger Grundstoff für die Herstellung von Folien, Filze oder andere Gewebe mit schalldämmenden Eigenschaften. Auch in Bremsbelägen ist Schwerspat enthalten. Auch bei hochwertigen Fußbodenbelägen und in der Gummi-Industrie wird Schwerspat verwendet. Durch das hohe spezifischen Gewicht wird Schwerspat auch in Gewichten für Kranfahrzeuge oder in den Gegengewichten für Aufzüge eingesetzt.

 

Schwerspatabbau
Franz Stenger 1970 beim verschließen des Stolleneinganges der Schwerspatgrube Christiane.

Quelle: Chronik 300 Jahre Rechtenbach.



 
Zum Seitenanfang          
 

Bildergalerie Grube Christiane heute

Schwerspatabbau Schwerspatabbau Schwerspatabbau Schwerspatabbau



 
Zum Seitenanfang