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Rechtenbach im Spessart

Kultur - Schwellehawer

Das Aushängeschild für die Rechtenbacher Holzarbeiter, ja für die ganze Gemeinde, waren die Schwellenhauer.

Schwellehawer
Rechtenbacher Schwellenhauer bei der Arbeit. Zu erkennen sind Josef Neuhaus und Heiner Väthjunker (Fink).

Schwellehawer
Das Ende für die "Schlawonier"
Das Leben der Schwellenhauer
Der Abschied
Bildergalerie Schwellehawer
Bildergalerie Kobertfeld
Bildergalerie Kolpingsfest Lohr

Schwellehawer

Nach kurzem Heimaturlaub zogen die Frontsoldaten des ersten Weltkrieges wieder an die Arbeitsfront, so gut wie alle Mann, als Holzhauer, Taglöhner, Holzputzer, Grubenholzarbeiter und Schwellenhauer.

Holzhauer Rast beim Schwellensägen. Diese Arbeitsgruppe hat schon 1936 Schwellen auf der Motorsäge geschnitten. Von links: Ludwig Väthjunker, Alois Herteux, Franz Herteux, ein Säge-Monteus aus Kassel und Max Ihls.

Der Weg nach Slawonien war ihnen allerdings verlegt nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie. Aber die Fertigkeit der Slawonier, nach Art eines Zimmermanns das Rundholz zu beschlagen, ging nicht verloren. An ihre Stelle traten die Schwellenhauer. Zwar hatten Rechtenbacher schon zu Kaiserszeiten Schwellen gehauen, als das aufstrebende Reich seine Eisenbahn ausbaute. Doch die hohe Zeit der Holzschwelle lag zwischen den beiden Weltkriegen, als die Reichsbahn ihr Schienennetz verdichtete und die Siegermächte dem geschlagenen Reich Reparationsschwellen abverlangten.
Die hoheZeit der Holzschwelle war gleichzeitig die hohe Zeit der Schwellenhauer. Aus ihrer Hochburg Rechtenbach zogen zu Zeiten bis zu 100 Mann hinaus ins inzwischen kleiner gemachte Deutsche Reich. Gegliedert in Rotten ab drei Mann, unter Führung des Waldmeisters, boten sie den Schwellenfirmen ihre Dienste an. Der Waldmeister als Unternehmer vermittelte die Arbeit, überwachte die Ausführung, regelte die Abfuhr, zahlte den Lohnaus. Seine Leute, die Schwellenhauer, bezogen nahe am Wald Quartier, marschierten im Morgengrauen zum Arbeitsplatz, wobei mancher Bursch schon seine Tagesration von einem halben Pfund Wurst verdrückte. Früh um 5.00 Uhr begann das Tagwerk und endete abens um 7.00 Uhr, zweimal unterbrochen von der Brotzeit.
Die Schwellenhauer beschlugen von Hand den Stamm, das Breitbeil klang wie Glas. Zweistielige Stämme, solche, die zwei Schwellen ausgaben, trennten sie mit der Gattersäge. Mit Kette und Keil zurrten sie den Stamm auf den Sägebock fest. Ein Mann stieg auf den Bock, zog die Säge leer hoch, zwei Mann am Bodenzogensie nieder und schnitten den Stamm entzwei.

Holzhauer Von links: Gottlieb Hartmann, Gustl Hartmann und Josef Rosenberger.

Das Schwellenhauen erforderte Geschick und kostete Geld. Aber die Reichsbahn schätzte eine handgefertigte deutsche Normalschwelle, nur an einer Längsseite gesägt, ansonsten mit dem Beil beschlagen. Die Reichsbahn schätzte die Holzschwelle überhaupt: leicht an Gewicht war sie gut zu verlegen und dämmte Schall und Stoß. Doch die Konkurrenz schlief nicht. Stahl und Beton drängten das Holz zurück. Soweit die Holzschwelle ihren Marktanteil behaupten konnte, ließ sie sich billiger im Sägewerk schneiden.

Der Bau der ersten Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth 1835 und der weitere Ausbau im ganzen Reich brachte auch eine ständig steigende Nachfrage nach Schwellen, zumal die Holzschwellen, gegenüber Stahl- und Betonschwellen, besonders auf Hauptstrecken, den Vorzug erhielten.

Holzhauer Beim Schwellenhauen. Von links: Gustav Ullrich, Franz Ullrich und Heiner Väthjunker.

Dieser Boom wurde nach dem 1. Weltkrieg durch die aufdiktierten Reparationsleistungen noch erhöht. Es ist aber falsch, anzunehmen, daß die Schwellenhauer-Arbeit erst durch die Eisenbahn geboren wurde. Rechtenbacher Holzarbeiter eigneten sich die Fähigkeiten der Zimmerleute und Schiffbauer an, die ja das Rundholz schon immer gut verarbeiten konnten.
Die Schiffbauer sind hier erwähnt, da es nachgewiesen ist, daß Lohrer Schiffbauer, nach dem Niedergang ihrer Zunft, mit den Rechtenbacher Schwellenhauern draußen "in der Welt" gearbeitet haben. Jakob Lembach war einer dieser Schiffbauer. Um auf die Schwellenhauer näher einzugehen, müssen erst die "Schlawonier" ins Gespräch gebracht werden.



 
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Das Ende für die "Schlawonier"

Holzhauer Rast auf dem Schwellnstoß. Rechts außen steht August Herteux, in der Bildmitte mit der Kaffeekanne in der Hand: Gustel Hartmann. Auf dem Stoß sitzend sind Josef Hartung, Wilhelm Bartel und Max Durchholz zu erkennen.

Mit dem Kriegsende 1918, das für die "Schlawonier" das endgültige Aus war, kam für die eigentlichen Schwellenhauer eine Zeit, in der immer mehr Schwellen angefordert wurden. In Arbeitstrupps ab drei Mann haben sie in allen Wäldern des damaligen Deutschen Reiches gearbeitet, auch in Wäldern, die heute zu Polen gehören. Unser verstorbener Bürger Bruno Kunst ist mit den Schwellenhauern so mit nach Rechtenbach gekommen. Der Vater von der "Neuhaus Anne" und der "Kurries Rosa" kam aus Slowenien, und es ist zu vermuten, daß die "Schlawonier" ihn mitgebracht haben. Umgekehrt sind natürlich auch Rechtenbacher draußen "hängen" geblieben. Während in Westpreußen und Pommern fast ausschließlich Kiefernschwellen geschlagen wurden, waren es im Bismarckwald bei Hamburg Hartholzschwellen (Buchen und Eichen). Das Schwellenhauen wurde eine Ganzjahresbeschäftigung, was auch einen besseren Verdienst brachte als zu Hause im winterlichen Holzhieb, im Tagelohn oder bei sonstigen Aushilfsarbeiten. Während der durchschnittliche Stundenlohn 1936-38 bei -,40 RM bis -,50 RM, der Akkordverdienst bei -,80 RM bis 1,- RM lag, wurde in dieser Zeit für die Erstellung einer A-Schwelle (1. Qualität) schon 1,- RM gezahlt. Gut eingearbeitete Teams konnten täglich 16-20 Schwellen pro Mann erstellen. Diese Zeit war aber auch der Beginn der maschinellen Erstellung von Schwellen. Mit Lanz Schleppern als Antrieb und Kreissägen mit großen Sägeblättern begann das Schwellen-Sägen im Wald und ließ das Ende der Schwellenhauer Zeit erahnen.



 
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Das Leben der Schwellenhauer

Holzhauer Rechtenbacher "Schwellenmoacher" vor ihrer Hütte in "Schlawonien". Ein Brunnen ist angelegt.

Die ständig "daus in de Wäld" lebenden Schwellenhauer bekamen von ihren Firmen und Auftraggebern keine Spesen vergütet. Kost und Logis mußten somit von ihrem Arbeitslohn bezahlt werden. Der Waldmeister war für den Schwellenhauer die Person, die die Arbeit vermittelte, kontrollierte und zuständig war für den Abtransport der Schwellen. Auf der Schwellen-Sammelstelle, auf der auch die Schwellen in einem Karbolineum Bad imprägniert wurden, unterwarf man die Schwellen vor dem Bad einer Endkontrolle. Schlecht verarbeitete Schwellen mußten bei Bedarf kostenlos nachgearbeitet werden. Wurde die Schwelle nach der Nacharbeit schlechter qualifiziert (von A- in B-Schwelle), erfolgte noch ein Abzug von der Schwellenhauer-Entlohnung. Der gute Waldmeister überließ den Schwellenhauern das abgefallene Holz und die Späne, die verkauft und so für Logis und Kost umgemünzt werden konnten. Der schlechte Waldmeister steckte den Erlös in die eigene Tasche. Wenn dieser Waldmeister Bürger aus dem gleichen Heimatdorf war, so kann man sich das einsetzende Getuschel, natürlich hinter vorgehaltener Hand, vorstellen. Solch ein Getuschel und Gerede soll der auslösende Moment gewesen sein, daß an einem Doppelhaus Neubau am Ortsausgang nach Lohr vom Bauherrn folgender Spruch angebracht wurde:

Holzhauer Auf dem Schwellenbock steht Hermann Noll. Von links stehend: Josef Bartel, August Väthjunker, Karl Geist und Karl Franz. Vorne sitzend von links: Hermann Franz und Klemens Kohl.

 
 
Hast Du des Glückes viel -
viel Freund und Vetter.
Doch kommt ein böses Wetter,
hast Du weder Freund noch Vetter.




 
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Der Abschied

Quelle: Chronik 300 Jahre Rechtenbach



 
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Bildergalerie Schwellehawer

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Quelle: Chronik 300 Jahre Rechtenbach



 
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Bildergalerie Kobertfeld

Die letzten Schwellenmacher zeigen ihr Können am 22. August 1981 im Kobertfeld.

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Fotos: Rudi Kretz



 
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Bildergalerie Kolpingsfest Lohr

Die letzten Schwellenmacher zeigen ihr Können auf dem Kolpingsfest am 4.7.1982 in Lohr a. Main.

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Fotos: Rudi Kretz, Günter Herteux und Walter Kunkel



 
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